Hand
Geist
Kreativität is, dir selber einzugestehen, Fehler zu machen. Erkennen, welche davon es zu bewahren gilt, ist Kunst. Scott Adams
Der Zufall greift in den Arbeitsvorgang ein. Ein Ausführungsfehler, der Materie geschuldet, die für sich genommen autonom und widerspenstig ist. Eine Art kreative Unabhängigkeit. Das Material entzieht sich den Absichten, es lässt sich beherrschen, aber plötzlich, durch einen Zwischenfall, schert es aus und gibt eine neue Richtung vor. Es verspricht unserem wachsamen Auge, zu verstehen, wie sich das Material doch noch zähmen lässt: vielleicht indem man seinen Vorschlägen folgt.
Letizia Quintavalla
Der Spielraum, in dem sich der Zufall ereignen kann, lässt sich wesentlich eingrenzen, indem man die an der Begegnung zwischen Objekten und Subjekten Teilnehmenden, die Umgebung und den Zusammenhang der Improvisation sorgfältig auswählt. Ein geeignetes Terrain schaffen, das die intuitiven Fähigkeiten eines wachsamen Beobachter-Auges stimuliert, damit dieses Auge die Gelegenheiten auskundschaftet, die der Zufall bietet. Registrieren und die für die Niederschrift nützlichen Elemente auswählen. Ähnlichkeiten zwischen entfernten Elementen, mögliche Assoziationen erkennen und die Anknüpfungspunkte sichtbar machen.
Animation: Entscheidend ist das Geschick, die eigene Energie und die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf das animierte Objekt zu übertragen. So kann das Objekt die Freiheit erlangen, sich selber zu bewegen, nicht nur bewegt und nach Bedarf benutzt zu werden.
Nach dieser Geschmeidigkeit sollte der Spieler streben, wenn er einem Objekt auf der Bühne begegnet.
Wenn er die Anregung aufnimmt, die vom Objekt ausgeht, entsteht eine Art Zusammenarbeit. Wenn das Verhältnis zwischen Objekt und Spieler interessant wird, resultiert daraus eine Bedeutung. Wenn diese Bedeutung dem behandelten Thema dienlich ist, kann sie die zu entwickelnde Geschichte bereichern.
Abgesehen von ihren physischen Eigenschaften verkörpern die Objekte mehr oder weniger komplexe Bedeutungen: die Neutralität der trägen Materie, die Resignation eines Accessoires, die ehrliche Mittelmässigkeit eines Werkzeugs, die Arroganz der Symbole.
Damit wir das Versuchfeld vergrössert. Der Schauspieler muss sich mit diesen Bedeutungen messen. Dass ist ein zum Glück unbeständiges und zweideutiges Grundgesetz: der Mensch ist kein Schauspieler und nicht einmal ein Animateur, sondern eine szenische Wesenseinheit, die in ein dialektisches Verhältnis zu den Objekten tritt.
Es geht nicht um die Frage, wie bewege ich das Objekt, sondern was mache ich zusammen mit dem Objekt. Es geht darum, die Grenzen der möglichen Interaktion auszuloten. Man kann die Objekte als das benutzen, was sie sind, oder als da, was sie bedeuten können. Die Objekte wiederum finden im Menschen ein nützliches Sprachrohr, das der Materie erlaubt, sich über die Grenzen des Gewöhnlichen hinauszuwagen.
Es ist eine wechselseitige Beziehung. Die Objekte sind perfekte Recherche-Partner: sich inspirieren lassen von den suggestiven Qualitäten eines Objektes, von seiner Botschaft, seiner Bedeutung, seiner Geschichte,; diese Fährte aufnehmen und schauen , wohin sie führt und wo sie sich mit andere Bedeutungen kreuzt.
Zwischen den Zwängen, die die Materie vorgibt , und den Lösungen, die sie vorschlägt, finden sich wichtige Anhaltspunkte für die Ausarbeitung einer szenischen Partitur. Wir können sagen, dass das Objekt am Text mitschreibt.
Während die gängige Praxis, menschliche Eigenschaften und Handlungen auf eine Puppe oder ein Objekt zu projizieren, den Gegenstand zu einer gefälligen Illustration herabzusetzen, werden hier, in der Umkehrung dieser Hierarchie, überraschende und bedeutungsvolle Effekte erzielt.